Montag, 20. Mai 2013

Morphium Jammertal

Eigentlich war ich vorgewarnt, hatte im Vorfeld mit der Anästhesistin auch schon gesprochen dass ich nicht mehr mit solch  Wahnsinns Schmerzen aufwachen möchte aus der Narkose wie bei der Schädelknochendeckelentfernung. Sie hat mir dies zugesichert und als ich erwacht bin habe ich sogleich nachgefühlt wie es aussieht auf der Schmerz-Skala, die ersten zwei drei Minuten ging es gut und dann ging es los und ich meldete sogleich an dass ich Schmerzen hätte und sie gaben mir Morphium über einen zentralen Zugang. Weitere Minuten warten, die Schmerzen stiegen weiter, ich meldete erneut an dass es heftig würde, sie gab nochmals, wieder keine Schmerzlinderung.

Ich erlebte ein quasi deja-vue vom letzten Mal und sagte der Schwester irgendwie wirke das Morphium nicht und ich hätte das schon mal so erlebt und erst bei Novalgin wären die Schmerzen weniger geworden. Sie meinte dann sie dürfe mir nur alle 8 Stunden Novalgin geben und war sehr uneinfühlsam, mein Schmerzlevel war konstant so um 8 auf einer Skala bis 10 und je mehr sie mir Morphium gab, desto mehr sank meine Stimmung auf den Tiefpunkt, erst nach 8 mg Morphium und null Schmerzreduktion und einer gefühlten Ewigkeit bekam ich das erste Mal Novalgin worauf sich die Schmerzen sogleich auf 3-4 reduzierten.

Bei den meisten Menschen macht Morphium eine Euphorie, bei einigen aber auch das Gegenteil und ich gehöre dazu, ich habe die Schleusen Stundenlang nicht mehr dichtmachen können, ein Jammertal und alles was die Schwester meinte war es sei ja "logisch" angesichts meiner Diagnose und nach der OP, 
dabei war ich so glücklich gerade nach der OP als ich bemerkte ich kann sehen, ich kann alles bewegen, ich kann sprechen, ich bin da... und dann diese Morphium-Talfahrt und auf dieser Talfahrt war wohl das Schlimmste das Bild das plötzlich erschien:

Was gibt man Glioblastom Patienten im Endstadium? Morphium... und mich schickt man damit einmal quasi durch die Hölle...

Einen schönen Abgang stelle ich mir wirklich anders vor. 

Ein Vorteil hat das ganze, ich kann mich jetzt damit auseinander setzen und meine Vorkehrungen treffen was ja nicht alle können.

Ich hatte schon auf der Intensiv dann mit einem guten Pfleger ein langes Gespräch der mir erklärte dass durch die ganzen Bestrahlungen und Chemotherapien im Hirn auch gewisse Veränderungen in Gang kämen und z.T. Medikamente dann anders oder eben nicht mehr wirken würden.



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